Carlo Ross
1928 - 2004
weitere Abbildungen

Geboren am 7. Februar 1928 in Hagen. Der Vater starb kurz darauf infolge einer Kriegsverletzung und Carlo Ross wuchs in einfachsten Verhältnissen auf. Die Jahre der Hitlerdiktatur konnte er nur mit Mühe überleben und nach dem Ende des III. Reichs nur schwer verarbeiten. Nach 1945 begann er für verschiedene Zeitungen und Jugendzeitschriften zu schreiben. Er volontierte bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, Redaktion Hamm, und wechselte nach einer Kurzausbildung zur Sozialarbeit. Als sich die Möglichkeit bot, in Berlin wieder journalistisch zu arbeiten, ergriff er diese Chance. Später gründete er dort neben seiner redaktionellen Tätigkeit einen Kleinverlag und gab den Berliner Heimatkalender sowie die Berliner Seniorenpost heraus. Danach lebte er als freier Schriftsteller in Regensburg und in den letzten Jahren wieder in seiner Geburtsstadt Hagen, wo er am 12. August 2004 starb.



Über Carlo Ross

»1928 in Hagen/ Westfalen. Als Sohn einer jüdischen Mutter geboren, wuchs Carlo Ross in ärmlichsten Verhältnissen ohne Vater auf. ... Durch glückliche Zufälle überlebte Ross die Judenverfolgung der Nationalsozialisten und begann nach Kriegsende für verschiedene Zeitungen zu schreiben. Nach einer Kurzausbildung war er zeitweise auch in der Sozialarbeit tätig. Als sich die Möglichkeit bot, in Berlin eine journalistische Tätigkeit aufzunehmen, ergriff er diese Chance. Erst nach seiner Pensionierung begann er Jugendbücher zu schreiben. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Regensburg. Carlo Ross setzt sich in seinen Büchern direkt oder indirekt mit seiner eigenen Vergangenheit als jüdisches Kind im nationalsozialistischen Deutschland auseinander. Er greift das Schicksal der Juden aber auch in der weiter zurückliegenden Geschichte auf und stellt sich der aktuellen Herausforderung des Rechtsextremismus. Als Hauptwerk gelten die als Fortsetzungsromane zu verstehenden Bücher »...aber Steine reden nicht« (1987) und »Im Vorhof der Hölle« (1991). Im ersten Roman schildert Ross eine jüdische Kindheit voller Angst und Unterdrückung in der NS-Zeit. Das zweite Buch spielt in einem Ghetto. Die jugendliche Hauptfigur ist hin- und hergerissen zwischen erster Liebe zu einem jungen Mädchen, den grausamen Erlebnissen unter Hitler und der Verantwortung gegenüber den leidenden alten Menschen und Kindern im Ghetto. Hinzu kommt die ständige Angst vor der nächsten Deportation, die auch den Helden des Buches treffen könnte. In »1492 - Aufbruch ins Abenteuer« (1992) beschreibt Ross aus der Sicht eines jüdischen Jugendlichen die Judenverfolgung im Europa des 15. Jahrhunderts. Ein anderer Erzählstrang des Romans zeigt die Bemühungen des Christoph Kolumbus, ein Schiff für seine große Reise um die Erde zu erhalten, auf der er schließlich 1492 Amerika entdeckte. Für sein Gesamtwerk wurde der Autor mit dem Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur ausgezeichnet.«

(Lexikon Deutsch: Kinder- und Jugendliteratur. Autorenportraits und literarische Begriffe. Hg. Jörg Knobloch u.a. Freising 1998).


»Carlo Ross hat das Leben vieler jüdischer Familien aufgezeichnet, wie es damals im 3. Reich angefangen hat und 1945 aufgehört hat... Mein Leben in dieser Zeit hätte in etwa genauso beschrieben werden können.« (Rolf Abrahamson, Jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Recklinghausen, in einem Schreiben an den Bitter-Verlag, Recklinghausen, über »... aber Steine reden nicht«)