Ernst Marcus
1856 - 1928
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Geboren am 3. September 1856 in Kamen, gestorben am 30. Oktober 1928 in Essen. Amtsgerichtsbeamter und Philosoph. Er starb am 29. Oktober 1928 in Essen.



Über Ernst Marcus

Lebenslauf nach Gerd Hergen Lübben (http://www.luebben-web.de/marcus)

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»1856 – 3. September: Geburt von Ernst Moses Marcus in Kamen/Westfalen als ältester Sohn von Robert Marcus und seiner Ehefrau Berta, geb. Marx.

1876 – Nach abgeschlossenem Gymnasiumsbesuch in Soest Beginn des Studiums der Rechtswissenschaft an den Universitäten in Bonn (ein Jahr) und Berlin.

1885 – Ernennung zum Gerichtsassessor.

1885-90 – Als Assessor und Richter tätig in Kamen, Unna, Hörde, Hagen und Gelsenkirchen.

1889 – Durch Lektüre von Schopenhauers Parerga und Paralipomena zur Beschäftigung mit der Philosophie Kants gelangt.

1890 – 3. Mai: Ernennung zum Amtsrichter – 1. Juni: Feste Anstellung als Amtsrichter in Essen, wo er nun ›sesshaft‹ wird.

1892 – 7. März: Erstmals mit dem Problem der ›exzentrischen Empfindung‹ befasst, aufbauend auf den ›Lehren Kants‹, dernbsp;– wie Marcus im ›Vorwort‹ seiner 1918 erscheinenden ›Abhandlung‹ schreibt –nbsp;›mit großer Wucht die Subjektivität sinnlicher Vorstellungen betont und das Interesse auf das Problem ihrer Genesis hinlenkt‹.

1893 – 28. Juli: Eheschließung mit Berta Auerbach, geb. am 15. August 1869 in Vreden/Westfalen.

Einzug in eine Etagenwohnung, Dreilindenstraße 68.

1894 – 27. Juni: Geburt der Tocher Dora-Debora [genannt Dore; gründetenbsp;– nach Verehelichung mit Artur Jacobs, einem der Gründungsdozenten der Essener Volkshochschule (1919)nbsp;– die ›Bundesschule für Körperbildung und rhythmische Erziehung‹ (1924), das heutige ›Dore-Jacobs-Berufskolleg‹]

1896 – 8. August: Geburt der Tochter Eva.

1899 – Erste Buchveröffentlichung: Die exakte Aufdeckung des Fundaments der Sittlichkeit und Religion und Die Konstruktion der Welt aus den Elementen des Kant. Eine Erhebung der Kritik der reinen und der praktischen Vernunft zum Range der Naturwissenschaft (Leipzig).nbsp;–nbsp;Erste persönliche Begegnung mit dem am 4. Mai 1871 geborenen Schriftsteller und Philosophen Salomo Friedlaender (ab 1909 Pseudonym: Mynona), der jährlich einige Wochen im Haus des Essener Rabbiners Salomon Samuel, seines Schwagers, verbringt.

1900 – Versuch einer Umbildung der Kant'schen Kategorienlehre in: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie, Band 24; in den ›Vorreden‹zu beiden Auflagen der Logik (1906 und 1911) wird diese Abhandlung vom Autor ›widerrufen‹.

1901 – Geburt des Sohnes Robert.

1902 – Kants Revolutionsprinzip (Kopernikanisches Prinzip). Eine exakte Lösung des Kant-Humeschen Erkenntnisproblems, insbesondere des Problems der Erscheinung und des Ding an sich‹ (Herford). – 21. Mai: Salomo Friedlaender erhält vom Autor ein Exemplar Kants Revolutionsprinzip.

1904 – Umzug in die Mietwohnung Schubertstraße 11, ein Einfamilienhaus der Bürgerbaugenossenschaft im Bernewäldchen.nbsp; Ein Weg zur widerspruchsfreien Auslegung der Kritik der reinen Vernunft in: Altpreussische Monatsschrift, Band 41nbsp;

1905 – Das Erkenntnisproblem oder wie man mit der ›Radiernadel‹ philosophiert. Eine philosophische Trilogie mit einem Vorspiel (Herford; 2. Auflage Berlin 1919). – 8. Februar: Besuch von Hermann Cohen, Philosophie-Professor und Haupt der neukantianischen ›Marburger Schule‹. – 3. Juni: Begegnung mit Karl Vorländer, Kantforscher und Sozialist, bei Professor Th. Imme, Lindenallee 9.

1906 – Logik. Die Elementarlehre zur allgemeinen und die Grundzüge der transzendentalen Logik. Eine Einführung in Kants Kategorienlehre [Herford; 2. Auflage 1911; Neuausgabe in Ernst Marcus: Ausgewählte Schriften, Band II (Bonn 1981)].

1907 – Das Gesetz der Vernunft und die ethischen Strömungen der Gegenwart [Herford; 2. Auflage München 1921 unter dem Titel Der kategorische Imperativ. Eine gemeinverständliche Einführung in Kants Sittenlehre]. Revolutionäre Kräfte in der Philosophie in: März. Halbmonatsschrift für deutsche Kultur, Band 1.

1908 – Das Gesetz von der Erhaltung der Substanz in: Frankfurter Zeitung und Handelsblatt vom 28. Februar.

1910 – Hermann Cohens ›Theorie der Erfahrung‹ und die Kritik der reinen Vernunft in: Altpreussische Monatsschrift, Band 47.

1912/13 – Hält in seiner Wohnung vor privatem Zuhörerkreis Vorlesungen, die dem Buch Kants Weltgebäude (1917) zugrunde gelegt werden.

1913 – Lehnt Versetzung auf einen anderen Richterposten ab, um sich die ›pax philosophica‹ zu bewahren.

1914 – Die Beweisführung in der Kritik der reinen Vernunft. Mit Berücksichtigung des Fries-Nelson'schen Systems in: Altpreussische Monatsschrift, Band 51, und im Selbstverlag (Essen).

1916 – Erhält den Titel ›Geheimer Justizrat‹. – 5. Dezember: Salomo Friedlaender/Mynona erhält ›zur freundlichen Erinnerung‹ vom Autor ein Exemplar der Logik (Zweite verbesserte und vermehrte Auflage von 1911; vgl. 1900 und 1906).

1917 – Kants Weltgebäude. Eine gemeinverständliche Darstellung in Vorträgen [München; 2. Auflage 1920; Neuausgabe in Ernst Marcus: Ausgewählte Schriften, Band I (Bonn 1969)].

1918 – Das Problem der exzentrischen Empfindung und seine Lösung (Berlin). [›Dadasophische‹ Verwertung durch Raoul Hausmann in dessen um 1969 verfasster Schrift La Sensorialité excentrique - Die exzentrische Empfindung, hg. v. A. Koch, Graz-Wien 1994; Hausmann hat, mutmaßlich gemeinsam mit Mynona, Ernst Marcus bereits im November 1916 in Essen besucht. Hausmannnbsp;– ohne die Konzeption etwa der Bonner ›bühne für sinnliche wahrnehmung – KONZIL‹ zu kennennbsp;– 1968/69: ›Vor einem halben Jahrhundert hat der Philosoph Ernst Marcus erkannt, dass die haptische Empfindung selbst an der visuellen Empfindung teilhat (...) in der Folge hat sich Niemand mehr mit dieser Entdeckung beschäftigt.‹nbsp;– ›Hausmanns Aufnahme physiologischer Theorien oder eher Theorieversatzstücken‹, notiert Bernd Stiegler in seinem Aufsatz ›Das Neue Sehen zwischen Objektwelt und Physiologienbsp;– Zur Photographietheorie Lazslo Moholoy-Nagys und Raoul Hausmanns‹ (1999), ›geht zurück auf die stark lebensweltlich ausgerichtete Philosophie des heute unbekannten Theoretikers Ernst Marcus, dessen Texte auch von Salomo Friedlaender Mynona diskutiert wurden. Marcus’ Theorie der Exzentrizität der Empfindungen gestattet es, wahrnehmungstheoretische Fragen mit einer emphatischen Unmittelbarkeits- und Ursprungstheorie zu verknüpfen. Die Kombination von Destruktion und einer Theorie des Ursprungs ist dabei für die Zwischenkriegszeit ein weit verbreitetes Phänomen und findet sich, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, in verschiedenen Ausprägungen bei Ernst Jünger, Walter Benjamin und Martin Heidegger. Hausmann und Moholy-Nagy sind beide Vertreter des sogenannten ›Neuen Sehens‹, greifen dabei aber auf spezifisch andere Theorietraditionen zurück. Das ›Neue Sehen‹ setzt sich zwar, wie die markante Bezeichnung hinreichend deutlich macht, von einer traditionellen Photographietheorie ab, kann aber das theoriegeschichtliche Erbe nicht verleugnen.‹]nbsp; – 28. Oktober: Tod seiner Frau. – 6. November: Salomo Friedlaender/Mynona hält in einer Veranstaltung des Verlags ›Der Sturm‹ in Berlin den Vortrag ›Das Problem der exzentrischen Empfindung. Nach Ernst Marcus‹. Zur transzendentalen Deduktion der Analogien in: Altpreussische Monatsschrift, Band 55.

1921 – Naturwissenschaft und Philosophie in:Frankfurter Zeitung und Handelsblatt vom 2. Januar.

1922 – Zur Relativitätstheorie in:Frankfurter Zeitung und Handelsblatt vom 13. April. – Salomo Friedlaender/Mynona veröffentlicht Graue Magie. Berliner Nachschlüsselroman [Berlin, Dresden 1922; 2. Auflage unter dem Titel Geheimnisse von Berlin. Ein Roman (Berlin, Leipzig 1931)] mit der Widmung: ›Dem Philosophen Ernst Marcus, dessen (leider noch nicht veröffentlichte) Theorie der natürlichen Magie den spielerischen Vorspuk dieser ›grauen‹ erst ermöglicht hat.‹

1924 – Theorie einer natürlichen Magie. Gegründet auf Kants Weltlehre [München; italienische Übersetzung: Teoria Di Una Magia Naturale (Bari 1938)].

1925 – Aus den Tiefen des Erkennens. Kants Lehre von der Apperzeption (dem Selbstbewusstsein), der Kategorialverbindung und den Verstandesgrundsätzen in neuer verständlicher Darstellung. Ein Kommentar zur transzendentalen Logik (Kritik der reinen Vernunft, Teil II) [München; Neuausgabe in Ernst Marcus: Ausgewählte Schriften, Band I (Bonn 1969)]. –nbsp; Salomo Friedlaender veröffentlicht einen (Heidelberg; Neuauflage 1978, Freiburg/Breisgau).

1926 – Kritik des Aufbaus (Syllogismus) der speziellen Relativitätstheorie und Kritik der herrschenden Hypothese der Lichtausbreitung (Berlin). Fatum und Freiheit in: Philosophie und Leben, herausgegeben von August Messer, 2. Jahrgang, Heft 10. Magie und Freiheit in: Gesetz und Freiheit. Veröffentlichung der Schule der Weisheit, herausgegeben von Hermann Keyserling (Darmstadt). Das unsterbliche Ich. Aus der Welt Kants in: Münchner Neueste Nachrichten vom 16. November.

1927 – Die Zeit- und Raumlehre Kants (Transzendentale Aesthetik) in Anwendung auf Mathematik und Naturwissenschaft [München; Neuausgabe in Ernst Marcus: Ausgewählte Schriften, Band II (Bonn 1981)]. Der Zusammenbruch der Wissenschaft in: Frankfurter Zeitung und Handelsblatt vom 13. Februar.

1928 – Salomo Friedlaender/Mynona veröffentlicht ›Mein hundertster Geburtstag und andere Grimassen‹ (Wien, Leipzig); darin bekennt er vom ›Geheimrat Ernst Marcus in Essen‹: ›Was ich geistig bin, verdanke ich ihm‹.

25. Februar: Lesung Friedlaender/Mynonas in Essen. – 29. Oktober: ›Ich entwerfe eine Ethik. Man mag, wenn sie nicht fertig wird, die Entwürfe (Versuche) herausgeben.‹ [Dieser Eintrag in Ernst Marcus' Tagebuch wird zitiert im postum erschienenen, von einem Nachlass-›Kuratorium‹ herausgegebenen Werk Das Rätsel der Sittlichkeit und seine Lösung. Mit besonderer Berücksichtigung des Sexualproblems (sog. Revolution der Jugend) (München 1932).nbsp;– ›Ausgewählt und angeordnet‹ von Friedlaender/Mynona, erscheinen postum zudem Wider die Moderne. Gedanken zur ethischen Logik / Aus dem Nachlass von Ernst Marcus in Münchner Neueste Nachrichten vom 15. 1. 1931 und Gedanken zur ethischen Logik (Auszug aus: E. Marcus, Das Rätsel der Sittlichkeit und sein Lösung) in Posener Tageblatt. Der Kulturspiegel vom 23. 1. 1932.nbsp;– ›An eine besser zu belehrende Zukunft‹ wendet sich Friedlaender/Mynona mit seinem ›Mahnruf‹ ›Der Philosoph Ernst Marcus als Nachfolger Kant’s. Leben und Lehre‹ (Essen 1930, bei G. D. Baedeker).] – 30. Oktober: Ernst Moses Marcus stirbt in Essen.«